Inklusion: Theorie und Praxis

Inklusion: es funktioniert einfach nicht unter den gegebenen Bedingungen

Ist die Inklusions an deutschen Schulen ein weiterer Beweis dafür, dass „gut gemeint“ nicht „gut gemacht“ bedeutet? Oder vielleicht sogar, dass „gut gemeint, aber schlecht durchgeführt und mies ausgestattet“ zu schlechteren Ergebnissen als vorher führt und man vor diesem Hintergrund manch eine nicht durchdachte Reform einfach mal unterlassen sollte?

Wenn man anerkennt, dass die Frage, ob ein Schüler oder eine Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf das Schulsystem dann mit Erfolg besucht hat, wenn er oder sie einen Abschluss erreicht hat und dass dies insofern eine Aussage darüber erlaubt, ob das Schulsystem für diese Schülergruppe funktioniert oder nicht, dann ist die o. g. Statistik fatal, weil sie zeigt, dass Chancengleichheit in diesem Land nicht gilt und stattdessen mit vielerlei Maß gemessen wird im real existierenden, deutschen Föderalismus. Die Spreizung der Zahlen ist sehr groß – rund die Hälfte der Förderkinder in Mecklenburg-Vorpommern erreichen den untersten allgemeinen Abschluss nicht (Hauptschulabschluss nach Klasse 9), in Schleswig-Holstein sind es fast alle, die keinen Abschluss erreichen (nur rund 7 Prozent schaffen es). Wenn man darüber nachdenke, was es in unserem hochkomplexen Leben bedeutet, einen Schulabschluss entweder zu haben oder nicht, dann kann eine solche Spreizung eigentlich gar nicht sein.

Quelle: aktuelles Katapult-Magazin, März 2020, https://katapult-magazin.de, Artikel von Linda Sendlinger, S. 48ff.