Wartung und Support in Schulen

Ein Kommentar von Wolfgang Richter //

Das Thema ist strukturell weder verständlich noch zufriedenstellend geregelt. Eine wesentliche Frage ist die, nach der verantwortlichen Stelle. Die Schulträger (Kommunen) stellen bekanntlich die Sachausstattung (Computer, Tablets, WLAN-Accesspoints, Beamer, etc.), die Nutzer sind entweder Schüler*innen oder Lehrkräfte (ergo Landesbedienstete), der inhaltliche Auftrag zur Nutzung wird durch das Bildungsministerium des jeweiligen Bundeslandes definiert (Lehrpläne etc.).

In vielen Bundesländer (so z.B. NRW) existiert daher eine Vereinbarung zwischen dem Land und den kommunalen Spitzenverbänden über die Aufteilung dieser Aufgaben. Meist werden hier die Anglizismen „1st- und 2nd-Level-Support“ benutzt. Der Support auf erster Ebene (1st-Level) fällt dabei in die Zuständigkeit des Landes und umfasst meist das Feststellen des Problems, den ersten Versuch zur Behebung und gegebenenfalls die qualifizierte Weitermeldung an die nächste Ebene. Diese zweite Ebene (2nd-Level) soll durch die Schulträger abgebildet werden. Es ist dem jeweiligen Schulträger überlassen, ob er dies durch eigenes Personal oder durch geeignete Verträge mit externen Dienstleistern tut.

Die Problematik bei dieser Regelung liegt in den Details: So wird der 1st-Level-Support durch das Landespersonal wahrgenommen, das ohnehin gerade vor Ort ist, also Lehrkräfte. Diese sind jedoch Pädagogen und nicht als Techniker ausgebildet. Der Dienstherr stellt für die Wahrnehmung dieser Aufgaben in der Regel nur äußerst geringe Ressourcen (max. 1-2 WStd.) zur Verfügung. In der Folge führt das dazu, dass ein bestenfalls ambitionierter Hobbyist sich um technischen Support kümmert, der aufgrund des erforderlichen Umfangs der Tätigkeit reichlich Freizeit investiert und im Rahmen (allenfalls weniger) Ausgleichsstunden, eine Tätigkeit ausübt, für die er nicht ausgebildet ist. In dieser Zeit kann er seiner Lehrtätigkeit nicht nachkommen, wird aber weiterhin nach seiner eigentlichen Qualifikation (als Lehrkraft) entlohnt.
Man kann somit sagen: Das für 1st-Level-Support eingesetzte Personal ist in der Regel nicht ausreichend qualifiziert, hat zu wenig Zeit, wird in Relation zur erforderlichen Qualifikation und faktischen Verfügbarkeit deutlich überbezahlt. Darüber hinaus wird stillschweigend in Kauf genommen, dass derjenige, der den Anspruch hat die Aufgabe im erforderlichen Umfang zu bearbeiten, sich selbst ausbeutet. Ich denke, viel ineffizienter und zynischer kann man die Problematik kaum angehen.

Andere Bundesländer (z.B. Niedersachsen, neuerdings auch Rheinland-Pfalz) erkennen das Problem, dass bei der oben beschriebenen Lösung der 1st-Level-Support zu Lasten der Unterrichtsversorgung geht und dass ein Support aus einer Hand (ohne eine zu definierende Schnittstelle zwischen den Ebenen) effizienter sein kann.

Insofern bemühen sie sich, die Aufgabe vollumfänglich in die Verantwortlichkeit nur einer Seite zu legen. In der Regel sind dies die Schulträger. Meist wollen die Länder sich ihrer Verpflichtung entledigen, indem sie den Schulträgern als Ausgleich Geld geben.
Leider liegt auch hier die Problematik in den Details, genauer in der Höhe der bereitgestellten Mittel. Das Land Niedersachsen stellt jährlich 11 Mio. € für diese Aufgaben bereit und verteilt diese nach Schülerzahlen (insg. ca. 1,1 Mio SuS) an die Kommunen. Dies sind im Schnitt etwa 10 € pro Schüler und Jahr [1] . Rheinland-Pfalz geht ähnlich vor und verteilt direkt 10 € pro Schüler und Jahr.
Diese 10 € summieren sich somit bei einer kleinen Grundschule (z.B. 120 SuS) zu 1.200 € im Jahr auf. Bei einer großen Schule (z.B. berufsbildend, 2.500 SuS) sind es vielleicht 25.000 €. Diese Summen sollen den Landesanteil am 1st-Level-Support kompensieren.
Nun ist 1st-Level-Support technisch vielleicht nicht besonders anspruchsvoll, allerdings spielen die Verfügbarkeit und die Reaktionszeit eine entscheidende Rolle. Hohe Verfügbarkeit und kurze Reaktionszeiten erfordern in der Regel Vor-Ort-Personal. Mit den obigen Beträgen ist jedoch selbst für große berufsbildende Systeme keine Vollzeitstelle darstellbar, über kleine Schulen müssen wir gar nicht reden.

Lässt sich der erforderliche Personalaufwand für den Support eigentlich beschreiben?
Die Antwort auf diese Frage wird weder von den Ländern noch von den kommunalen Spitzenverbänden gegeben.
Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, diese Frage (zumindest grob) zu beantworten. Dazu sind ein paar Annahmen bzw. Vereinbarungen erforderlich:

  1. Wartungsaufwand Schule ≥ Wartungsaufwand Kommune
    Wir unterstellen, dass die Anforderungen an Wartung in Schulen größer sind, als in Kommune oder Wirtschaft (SuS nutzen einen Gerätepool, daher keine individuelle Bindung an das Gerät, daher weniger Sorgfalt im Umgang). Wir können somit annehmen, dass der Gesamtwartungsaufwand in Relation mindestens so groß ist, wie in einer Kommune bezogen auf eine geeignete Kennzahl. Eine solche Kennzahl könnte z.B. „IT-Standardarbeitsplätze je IT-Vollzeitstelle“ sein.
  2. IT-Standardarbeitsplätze je IT-Vollzeitstelle in allen Bundesländern ähnlich zu NRW
    Leider liegt nur für NRW eine geeignete Aussage zum IT-Stellenbedarf in Relation zur IT-Arbeitsplatzanzahl vor. Eine solche Zahl wird regelmäßig durch die Prüfberichte der GPA NRW (Gemeindeprüfungsanstalt NRW) ermittelt [2]. Der Durchschnitt in NRW liegt bei etwa 100 zu 1.
  3. 2nd-Level-Support entspricht der Relation 400 zu 1
    Diese Annahme folgt der vergleichenden Betrachtung der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2015 [3].

Damit gelten die folgenden Annahmen:
• Gesamtwartungsaufwand Schul-IT = 1st-Level + 2nd-Level (inkl. 3rd-Level)
• Gesamtwartungsaufwand Schul-IT ≥ Gesamtwartungsaufwand kommunale IT
• Gesamtwartungsaufwand kommunale IT = 1 Stelle je 100 IT-AP
• 2nd-Level (inkl. 3rd-Level) = 1 Stelle je 400 IT-AP

Im Ergebnis:
Die Wartung von 400 IT-Arbeitsplätzen würde in einer durchschnittlichen Kommune in NRW mit einem Personaleinsatz von 4 Vollzeit-Stellen erfolgen (400 / 100 = 4).
1 dieser Stellen wird durch die Abschätzung für den 2nd-Level-Support beschrieben (400 / 400 = 1).
Damit verbleibt eine Differenz von 3 Stellen, die durch Tätigkeiten im 1st-Level Support zu erbringen wären (4 – 1 = 3).

Fazit:
Um ein solides Wartungsangebot für Schulen zu realisieren, müsste neben dem 2nd-Level-Support (Betreuung aus der Ferne mit gelegentlichen Vor-Ort-Präsenz-Phasen), ein 1st-Level-Support existieren, der verlässlich dauerhaft vor Ort ansprechbar ist und einen großen Teil der auftretenden Probleme direkt ohne Weitermeldung nach außen abarbeitet.
Organisatorisch kann dies nicht durch lehrendes Personal „nebenbei“ gemacht werden. Dies ist eine Aufgabe für eine Vollzeitkraft.
Nach unserer Erfahrung deckt sich diese theoretisch ermittelte Stellenzahl (1st-Level-Support) häufig in etwa mit der Anzahl der Schulstandorte.
Man könnte also formulieren: Für die Betreuung der IT an Schulen ist, je Standort mindestens eine Vollzeitkraft erforderlich, die situativ durch externe Fachkräfte unterstützt werden kann/muss.
Nach KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) liegen die jährlichen Kosten für eine geeignete Fachkraft bei etwa 88.000 € [4].
Die Frage der Zuständigkeit ist damit selbstverständlich nicht beantwortet. Deutlich wird jedoch, dass ein Kostenbeitrag des Landes von ca. 10 € pro SuS und Jahr das Problem nicht einmal im Ansatz löst.
Die aktuelle Lage wird durch die zusätzlichen Mittel für Endgeräte für SuS und für Lehrkräfte noch verschärft. Mindestens für letztere müsste der Arbeitgeber die Kosten für den 1st- und 2nd-Level-Support tragen bzw. müsste akzeptieren, dass die Schulträger die Übernahme dieser Aufgaben durch einen Dienstleister „einkaufen“. Dann würde aber offensichtlich, dass die von der Politik zugesagten Mittel bei weitem nicht ausreichen.

Einen konkreten Lösungsvorschlag für die hier dargestellten Sachverhalte haben wir auch nicht. Diese Fragestellung kann nur im Zusammenspiel zwischen kommunalen Spitzenverbänden und Ländern beantwortet werden. Derzeit jedenfalls funktioniert Wartung an den Schulen nur durch das freiwillige Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, die trotz der unzureichenden Unterstützung durch ihren Dienstherrn weiterhin rudimentären Support an ihrer Schule leisten. Seit Jahren werden die auftretenden Probleme im Alltag den Lehrkräften, Schulleitungen und Schulträgern angelastet.

Die aktuell (nur für investive Zwecke) auszugebenden Fördermittel verstärken das Problem in einer nie dagewesenen Weise. Jeder PC, jedes Tablet, jedes (immer noch unsinnige) Interaktive Touchdisplay muss eingerichtet, in die Infrastruktur eingebunden und langfristig betreut werden. Und selbst unter optimalen Bedingungen, summieren sich die erforderlichen Tätigkeiten schnell auf.

Schulträger sind gezwungen, Stellenzahl bzw. Ressourcen für 2nd-Level-Support deutlich zu erhöhen. Sie sind einem Druck von allen Seiten ausgesetzt. Weder können sie den politischen Handlungsdruck ignorieren, der durch die „geschenkten“ Summen sehr real zu spüren ist, noch können sie ihre Schulen im Regen stehen lassen, die die Unterstützung dringend brauchen. Die erforderlichen politischen Entscheidungen führen wir aktuell im Rahmen von Medienentwicklungsplanungen gemeinsam mit allen Beteiligten herbei. Aus unserer Sicht ist diese breite Beteiligung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Nur im Prozess kann gegenseitiges Verständnis für die Zwänge des Anderen und schlussendlich ein Interessenausgleich zwischen den Beteiligten erreicht werden. Von der in Bildungsthemen von den Ländern oft beschworene Verantwortungsgemeinschaft von Kommunen und Ländern ist in diesen Prozessen übrigens recht wenig zu spüren.

 

 

[1] Niedersachsen gewichtet noch nach allgemeinbildender und berufsbildender Schule, so dass die Beträge sich nach Schulform stark unterscheiden, diesen Aspekt lassen wir hier unberücksichtigt. 
[2] siehe z.B.: https://gpanrw.de/media/1487844275_kreis_viersen_informationstechnik_bericht_2016.pdf, Seite 18. Hier für den Kreis Viersen im Vergleich mit Wesel und Kleve. 
[3] siehe https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/ 
Studie_IB_IT_Infrastruktur_2015.pdf 
[4]  Stelle EG 9a zzgl. 20 % Gemeinkostenzuschlag zzgl. Sachkostenpauschale (65.300,- € + 13.060,- € + 9.700,- € = 88.060,- €), Quelle: KGSt: Kosten eines Arbeitsplatzes 2019/2020, KGSt-Bericht 13/2019 

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