Digitalisierung: 1:1 Ausstattung von Schülern (un-)möglich?!

von Wolfgang Richter // Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob nicht eine Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit einem digitalen Endgerät sinnvoll wäre?  

Damit alle dieses „Werkzeug“ jederzeit bei der Hand haben? 

Und vielleicht wäre das ja auch der richtige Umgang mit dem Thema: Das Gerät mehr als „Werkzeug“ und nicht als Selbstzweck zu betrachten.  

Stellen Sie sich das „Tablet“ oder den „Laptop“ wie ein Geodreieck vor. Ein notwendiges Werkzeug, das sich in jeder Schultasche findet und nach einer kurzen Einführung immer dann genutzt wird, wenn die aktuelle Aufgabenstellung es erfordert. Analog zu „Wir konstruieren ein Dreieck mit den Seiten a=5cm, b=4cm und dem Winkel 𝜶=30°.“ könnte die Aufgabe lauten „Wir stellen in einer kurzen Präsentation die wichtigsten biografischen Informationen zu Karl dem Großen zusammen und bewerten die Rolle der christlichen Kirche als Machtinstrument Karls.“ (oder so ähnlich). 

Ich gebe zu, das ist jetzt keine revolutionäre Idee. Gerade in diesen Pandemiezeiten liegt das auf der Hand.  

Umso bedauerlicher ist es doch, dass in NRW diese Möglichkeit nicht besteht (bzw. bestehen wird)!  

Um das zu erläutern, richte ich Ihr Augenmerk auf eine Drucksache des Landtags. 

Am 26.10.2020 fragte die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die Landesregierung, inwieweit Eltern die Beschaffung von digitalen Endgeräten abverlangt werden kann. (siehe: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-11620.pdf) 

Die Landesregierung antwortet am 25.11.2020: An Eltern gerichtete Beschaffungsvorgaben sind (aktuell) unzulässig! Beschaffung von digitalen Endgeräten darf nicht zur Voraussetzung für den Besuch einer Schule / eines Bildungsganges gemacht werden. (siehe https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-11972.pdf) 

Diese Antwort ist sachlich sicherlich korrekt. Dennoch halte ich sie für außerordentlich befremdlich. Drei Gründe hätten mich eine deutlich nuanciertere Antwort erwarten lassen. 

Wenn eine 1:1-Ausstattung von Schüler*innen jemals ein Ziel der Landesregierung sein sollte, dann hielte ich den Weg über die Elternfinanzierung (unter Berücksichtigung eines geeigneten Sozialausgleichs) für unumgänglich. Vollfinanzierung durch die Schulträger oder gar die Länder halte ich in der Fläche für undurchführbar (einzelne Kommunen ja, aber eben nicht alle.) 

In Niedersachsen ist es seit Jahren möglich, einen individuellen Sondererlass zu beantragen, der digitale Endgeräte für eine einzelne Schule zu „Lernmitteln“ erklärt. Damit unterliegen sie der Ausstattungspflicht durch die Eltern. Dies ist gelebte Praxis in diversen weiterführenden Schulen in Niedersachsen. Darüber hinaus denkt Niedersachsen seit Jahren darüber nach, dies zum „Regelfall“ zu machen (siehe https://www.niedersachsen.de/download/135219/Masterplan_Digitalisierung_Die_Strategie_Niedersachsens_zur_digitalen_Transformation.pdf, Seite 77). 

Ich sitze hier im Home-Office und habe den Eindruck, dass wir gerade eine Pandemie mit Distanzlernen, Home-Schooling, etc. haben. Diese Pandemie hatten wir auch schon im November 2020 (als diese Antwort erstellt wurde).  

Selbst wenn ich unterstellen würde, dass die Landesregierung im Wesentlichen kurzfristig denkt und aktionistisch handelt (mögliche Belege bitte selber suchen. Sachdienlicher Hinweis: In den Pressemitteilungen des MSB mit der Recherche beginnen!); hier hätte man mit einfachen Mitteln reflektiertes Handeln suggerieren können. 

  • Eine unbestimmte Absichtserklärung, die Strukturen einer Prüfung unterziehen zu wollen.  
  • Die vorsichtige Erwähnung der abweichenden Praxis in anderen Bundesländern.
  •  

Hätte nicht weh getan und würde Schulen und Schulträger wenigstens den Eindruck von „Lösungsorientierung“ vermitteln.  

Und wir wissen ja alle, wie wichtig alleine schon der äußere Anschein sein kann. 

In diesem Sinne – Wolfgang Richter

 

Foto: sharpentbr auf pixabay